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4.-6.2.2019 Konfi-Teamerausbildungen gestalte nach den Standards der Teamercard der Nordkirche - Koppelsberg/ Plön

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Bildungsverständnis und pädagogische Grundlinien

Mit der Nordelbischen Teamercard verbindet sich die Einladung, sich gemeinsam auf den Weg eines bestimmten Verständnisses von Bildung, Lernen und Lehren zu machen.


Die Basis jeden Lernens und Lehrens ist Beziehungsarbeit.
Jeder Kompetenz- und Wissenserwerb baut hierauf auf. Ein wichtiges Übungsfeld und Erprobungsfeld ist die Gruppe.
„Von, in und mit der Gruppe lernen’ – das ist ein wichtiger Bestandteil.“ (11) Die eigene Gruppe als Übungs- und Erprobungsfeld sollte in der Ausbildung intensiv genutzt und immer wieder thematisiert werden. An Beispielen der Gruppendynamik und des Leitungsverhaltens werden die Konsequenzen für die eigene Persönlichkeit und das zukünftige Arbeitsfeld erforscht. Eine gute Kommunikationskultur und Gruppenatmosphäre unterstützen das Lernen und Leben in der Gemeinschaft auf Zeit. (12)

Ganzheitliche Bildung und ganzheitliches Lernen
umfassen Körper, Geist und Seele.

Dies gelingt durch den Einsatz von vielfältigen und kreativen Methoden der lebendigen KonfirmandInnen- und Gruppenarbeit. Lernen durch Spaß und Mitmachen, Beobachten und Reflektieren stehen hier im Vordergrund. Denn nur was Spaß macht, wird in der Regel gerne an andere Jugendliche und Kinder weitergegeben. „Spaß haben“(13) ist ein entscheidendes Motiv für das ehrenamtliche Engagement Jugendlicher. Spaß in der KonfirmandInnenarbeit erlebt zu haben, ist ein wichtiger Motor für weiteres Engagement in der Gemeinde. Spaß – das heißt: „Lebensfreude, Humor, Lockerheit und spielerisches Einüben von Fertigkeiten, die das eigene Selbstbewusstsein heben, … das Gefühl, wichtig zu sein, gebraucht zu werden, ernst genommen zu werden und gut anzukommen. Spaß haben bedeutet nicht, jedenfalls nicht primär, blödeln und Unfug machen.“ (14) Spaß entsteht aus Erfolgserlebnissen und befriedigenden Lernerfahrungen (15), die ganz besonders durch selbstbewusstes Auftreten in einer „Öffentlichkeit" gewonnen werden. Somit wird “Spaß haben“ zum Qualitätsfaktor, der auf allen Ebenen vorhanden sein muss. (16)

Durch den Einsatz von unterschiedlichen Methoden lernen Jugendliche ganz „nebenbei“ pädagogisches Handwerkszeug der Gruppenarbeit kennen. Bei der Auswahl der Methoden sollte ein Kriterium sein, dass diese leicht in die Praxis umzusetzen sind und Erfolg versprechen. Lernen sollte immer mit konkreten Erfahrungen verbunden sein. Es braucht dazu vielfältige Übungs- und Trainingssituationen, in denen sich die Jugendlichen immer wieder selbst einbringen, ausprobieren und erproben können. Ein Wechsel der Arbeitsformen von Mitmachen, Beobachten, Reflektion und anschließender Übung in der Praxis hat sich auch in dieser Altersgruppe bewährt.

Bildungsmaßnahmen für TeamerInnen eröffnen Raum für eigene geistliche Erfahrungen und das Erleben einer sinnstiftenden christlichen Gemeinschaft. Regelmäßige religiöse Angebote und Erfahrungen durch Gebet, Segen, Rituale, Abendmahl, Lieder, Stille-Übungen, Raumgestaltung und Andachten unterstützen dies. So werden immer wieder spirituelle Erfahrungen ermöglicht und in der Gemeinschaft gelebt. Auf unterschiedliche Art und Weise sollen die Jugendlichen angeregt werden, die Kraft des Glaubens und Gottes Liebe zu spüren und konkret zu erfahren. Diese Angebote und Erfahrungen sollen die Jugendlichen darin unterstützen, eigene Fragen und Unsicherheiten im Glauben auszudrücken sowie eine Sprachfähigkeit im eigenen Glauben zu entwickeln.


Die Verschiedenheit von Menschen – und nicht die Gleichheit – ist der Normalfall.
Das gilt sowohl für Ausbildende und TeamerInnen als auch  die ihnen Anvertrauten. Es geht darum, dies in Lern- und
Lehrsituationen als Chance für TeamerInnenarbeit zu verstehen und für beide Seiten fruchtbar zu machen. Gerade Vielfalt kann Kreativität freisetzen. Es geht um Lerngemeinschaften, in denen alle Mitglieder sich nicht nur um das kümmern, was sie selbst lernen wollen, sondern auch allen anderen helfen, ihre Lernziele zu erreichen.
Eigene Stärken und Fähigkeiten sollen erkannt und bestärkt werden durch Übungen und wertschätzendes Feedback.
Dies wird in der Gruppe eingeübt und ermöglicht so ein persönliches Wachstum, unterstützt Jugendliche bei der Identitätsfindung und dient gleichzeitig der Erweiterung unterschiedlicher Kompetenzen. Dazu gehört auch das Erkennen der eigenen Grenzen und persönlichen Möglichkeiten.


Es geht weniger um ein Lernen in absoluten Kategorien von „falsch“ und „richtig“ als um die verantwortungsvolle experimentierfreudige Förderung von Erkenntnisgewinn. (17)
Voraussetzung für die Entstehung von Motivation ist, dass ein Mensch seine eigenen Bedürfnisse, Motive und Ziele
entdeckt und für sich selbst definiert. Das Wichtigste, das Unterrichtende den Lernenden zur Verfügung stellen können, ist die Entscheidung darüber, was gelernt werden soll. Wenn Unterrichtende diese Entscheidung allein treffen, enthalten sie den Lernenden also Wesentliches vor. (18) Daher sollte das Curriculum gemeinsam mit der Lerngruppe entwickelt werden.
Die Erfüllung der grundsätzlichen Bedürfnisse aller Menschen nach Anerkennung, Zugehörigkeit, Geborgenheit und Sicherheit sind relevant für das Gelingen einer Ausbildung. Eine Bildungsmaßnahmehat in besonderem Maß Erfolg, wenn dem Wunsch nach Selbstverwirklichung entsprochen wird, d. h. als Persönlichkeit wachsen und persönliche Ziele verwirklichen zu können, Bestätigung und Anerkennung zu erfahren sowie Gefühle von Kompetenz, Erfolg, Zugehörigkeit und Liebe zu erleben. Durch gemeinschaftsbildende Gruppenprozesse und religiöse Angebote, eine konstruktive Feedback-Kultur, Erfolgserlebnisse und befriedigende Lernerfahrungen ist dies einzulösen.

Lehren und Lernen bilden dabei einen ständigen Kreislauf, und die Lehrenden erleben sich im Idealfall zugleich als Lernende. Bildungsprozesse dieser Art brauchen einen verlässlichen und vertrauensvollen Rahmen in den Lern- und Lehrarrangements. Es geht gleichermaßen darum, die Menschen zu stärken und die Sachen zu klären. (19)


Die Jugendlichen sollen bewusst auf den Rollenwechsel vorbereitet werden.
Sie bekommen eigene Spiel- und Handlungsräume sowie Möglichkeiten, sich in der „neuen Rolle“ auszuprobieren. Das heißt: Sie sollen auch Verantwortung für Teile der Ausbildung übernehmen, selbstständig „Lernen, Planen, Vorbereiten und die Umsetzung“ üben. Gespräche über die Verantwortungsbereiche im Team und die Rolle in der Gemeinde unterstützen diesen Prozess. Die Auseinandersetzung mit der „Lust“ und dem „Frust“ des Rollenwechsels insbesondere für jüngere Jugendliche ist ein großes Thema, das berücksichtigt und erarbeitet werden sollte.
Auch die Bedeutung des Rollenwechsels in Beziehung zu den hauptamtlich Mitarbeitenden und PastorInnen ist von Bedeutung und braucht Begleitung und Bearbeitung.


Verbindlichkeit und Transparenz
Die zeitlichen Ressourcen Jugendlicher sollten berücksichtigt werden. Ein klares Angebot, Transparenz in der Aufgabenplanung und eine einschätzbare Perspektive des Engagements ermöglichen die Teilnahme für Jugendliche, die sonst zeitlich besonders beansprucht sind. Durch Verbindlichkeit und Klarheit fühlen sich Jugendliche ernst genommen und motiviert. Kontrakte sind ein Mittel, das Engagement Jugendlicher zu fördern.

 

Teamercard - genug "gegendert"?
Die Nordelbische Kirche bemüht sich, die Ziele des „Gender Mainstreaming Verfahrens“ auch sprachlich zum Ausdruck zu bringen. Das Ziel ist eine geschlechtergerechte Sprache. Insofern ist der Anglizismus Teamercard nicht hinreichend „gegendert“, weil der Plural die Teamerinnen sprachlich nicht einschließt. Der Nordelbische Arbeitskreis hat sich nach langer Diskussion entschieden, bei dem Namen Teamercard zu bleiben, in allen anderen Texten aber z. B. Teamerinnen und Teamer oder in der „taz“-Schreibweise TeamerInnen zu schreiben. Auch bei der Bildauswahl wird darauf geachtet, dass Mädchen und Jungen gleichermaßen angesprochen werden. Die Teamercard ist bereits in anderen Landeskirchen verbreitet und erfreut sich großer Beliebtheit. Das ist für die Akzeptanz des neuen Nordelbischen Zertifikats wichtig. Umfragen ergaben, dass es unter den befragten Jugendlichen eine verbreitete Akzeptanz für diesen Namen gibt. Dabei liegt ihnen durchaus an Fragen der Geschlechtergerechtigkeit, sie drücken es nur anders aus. Im Prozess der Entwicklung eines Nordelbischen Zertifikats und eines öffentlichen Nachweises gab es weder von Haupt- noch von Ehrenamtlichen eine kreative Alternative, die wirklich hätte überzeugen können. Vielleicht liegt in dem Ärger über die Wortwahl, der uns von einigen wenigen entgegen schlug, genügend Energie, um für die zweite Auflage einen kreativen geschlechtergerechten Namen zu finden, der Akzeptanz findet. Bis dahin wünschen wir der Nordelbischen Teamercard und vor allem den Teamerinnen und Teamern viel Glück und Erfolg!

 

(11) zitiert aus dem Konzept der Konfi-Teamer-Ausbildung des Kirchenkreises Hamburg-Ost, Ina-Marie Mühling
(12)  Vgl. Konzept der Konfi-Teamer-Ausbildung des Kirchenkreises Hamburg-Ost
(13)  Freiwilligesengagement in Deutschland 1999–2004, hersg. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen,  Jugend. S. 102 bis 103, Die meisten Engagierten erwarten „vom freiwilligen Engagement eine
Bereicherung ihres Lebensgefühl und ihrer Lebensfreude“, d.h. die „Tätigkeit soll Spaß bereiten.
(14) Chritian Witting, Spaß haben, Ehrenamtliche in der Konfirmandenarbeit, in KU–Praxis 47, Gütersloh 2004, S. 72
(15) Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999–2004, München 2005. S. 249. „ Der Begriff des Lernens wird längst nicht mehr ausschließlich mit Wissenserwerb und rein schulischem Lernen verbunden. Für die
Persönlichkeitsentwicklung können informelles und soziales Lernen einen sehr viel wichtigeren Beitrag leisten. Hervorzuheben ist auch die größere Intensität selbst motivierten Lernens, wie es Erfahrungen im
freiwilligen Engagement ermöglichen.“
(16) Christian Witting, Spaß haben, Ehrenamtliche in der Konfirmandenarbeit in KU-Praxis 47, Never walk alone..., Gütersloh 2004, S. 72
(17) Vgl. Hans-Ulrich Kessler/Frank Düchting/Jörg Hermann, Gute Schulen. Orientierungen aus evangelischer sicht. Positionspapier in Nordelbische Stimmen 2009, S.14–17, S. 16
(18) Vgl. Marshall B. Rosenberg, Erziehung, die das Leben bereichert, Paderborn 2007, S. 98 unter Verweis auf Carl Rogers.
(19) Vgl. Hartmut von Hentig, Bildung, München Wien 1996, S.55