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4.-6.2.2019 Konfi-Teamerausbildungen gestalte nach den Standards der Teamercard der Nordkirche - Koppelsberg/ Plön

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Was uns leitet

Theologische Begründung

Kirchliche Bildungsmaßnahmen für junge Menschen ab 14 Jahren ermöglichen es, sich selbst qualifiziert und mitverantwortlich in die Aufgabenbereiche von Kirche einzubringen. Im Blick auf die in der Regel konfirmierten Teilnehmerinnen machen Angebote wie Teamerausbildungen, Trainee- Projekte u.a. ernst mit einem Verständnis der Konfirmation als „Kasualie der Mündigkeit“ (1) und des Segens für die Lebensreise.

Die Wertschätzung der Kinder und Jugendlichen (Mk 10,13ff) und das „Priestertum aller Gläubigen“ sind gelebte Grundsätze der Ausbildungen. Jugendliche haben eigene Glaubensvorstellungen und entwickeln sie im Rahmen der Kinder- und Jugendarbeit als altersnahe Vorbilder mit anderen Jugendlichen in Auseinandersetzung mit der Tradition und im Dialog mit den hauptamtlich Mitarbeitenden weiter. Auch diese praktizierte Form der Religionsmündigkeit hat ihren Ursprung im Lehrauftrag Jesu (Mt 28).

Jugendliche werden mit ihren Gaben und Fähigkeiten als Teil kirchlicher Gegenwart („ein Leib und viele Glieder“, 1. Kor.12) und nicht nur als deren Zukunft wahrgenommen. Indem Jugendliche sich beteiligen und aktiv gestalten, tragen sie zur notwendigen ständigen Veränderung der Kirche selbst bei (ecclesia semper reformanda).

Die TeamerInnen - Ausbildungen, Trainee- Projekte u.a. orientieren sich am christlichen Menschenbild, nach dem jedem Menschen eine unantastbare Würde zukommt, die im Schöpferwillen Gottes wurzelt, unabhängig von den Leistungen und Fähigkeiten. Sie vertiefen das Entdecken der eigenen Würde sowie der der anderen, fördern Orientierung, Integration, Selbst- und Gottvertrauen und tragen so dazu bei, Gesellschaft zu gestalten. Sie stellen Erfahrungs- und Entwicklungsräume zur Verfügung, in denen Jugendliche erleben, dass sie wahrgenommen („Du bist mein geliebtes Kind, an dem ich Wohlgefallen habe“, Matthäus 3,17) und gemeint sind („Ich habe dich bei deinem Namen gerufen“, Jesaja 43,1).

Jugendliche können hier ihre Persönlichkeit und ihren Glauben entwickeln („du stellst meine Füße auf weiten Raum“, Psalm 31,9) und die Erfahrung machen, für andere bedeutsam zu sein („Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“, 1. Mose 12,2).

Der Glaube an die Auferstehung des Gekreuzigten und an den Segen Gottes wird erfahrbar in der Freude an der Entdeckung und Entfaltung der eigenen Kompetenzen aber auch im hoffnungsvollen Durchgang durch eigene Erfahrungen von Scham, Selbstzweifel und Ängsten. Die Jugendlichen erfahren Begleitung in der besonderen Lebensphase der Pubertät und Adoleszenz und werden selbst zu altersnahen Begleitern. Diese biografische Nähe verstärkt bei den jungen Menschen das Interesse, sich selbst engagiert mit den Fragen des Glaubens auseinanderzusetzen. Die Fortbildung von TeamerInnenn ist damit authentische Beziehungsarbeit im Verhältnis zu Gott, zum Nächsten und zum Selbst (Doppelgebot der Liebe,Mk 12,30f.)).

Teamercard im konfessionlosen Kontext

Konfessionslose sollen die Teamercard bekommen, das hört sich vielleicht erstmal sehr merkwürdig an. In der neu gegründeten Nordkirche gibt es Regionen mit einer Kirchenzugehörigkeit von z.T. unter 20%. Die Wirkung zweier Diktaturen ist nachhaltig und auch mehr als 20 jahre nach der Wende immer noch von großer Bedeutung. Die Mehrzahl der Eltern von heute 12-16 jährigen hat in ihrem Leben noch nie eine Kirche von innen gesehen, geschweige denn Kontakt zu kirchlichen Angeboten wahrgenommen. Die Kinder und Jugendlichen dieser Eltern kommen nicht selbstverständlich in die Konfirmandenarbeit, sondern über Freundinnen und Freunde, durch Christenlehre, religionsunterricht, Evangelische Schulenuvm. in Kontakt mit Kirche, manche im Grundschulalter, einige in der Konfizeit, wieder andere als ältere Jugendliche.
Deshalb ist es wichtig, Jugendlichen die Türen zu unseren Angeboten weit aufzumachen, damit sie christlichen Glauben kennen lernen können. So ein Angebot ist auch die Teamerausbildung. Sie gibt Jugendlichen und uns die Möglichkeit, in Glaubensfragen gemeinsam auf dem Weg zu sein, Antworten zu suchen auf die Fragen der konfessionslosen Jugendlichen. Mt 28 wirft in diesem Zusammenhang noch einmal ein ganz besonderes Licht auf unsere Aufgaben in der Begleitung Jugendlicher im Glauben und auf dem Weg dorthin. So werden "Türen zum Himmel" geöffnet.  

 

(1) Wilhelm Gräb, Die Konfirmation als Kasualie der Mündigkeit, in PTh 94, 2005, 175–191.
Dieses Verständnis von Konfirmation ist erst 1999 vom Liturgischen Ausschuss der VELKD mit der überarbeiteten Agende „Konfirmation“ so formuliert worden.