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Fortbildung Konfi-Teamer-Ausbildungen gestalten 5.-7.2.18
Eingestellt am: 03.04.2017

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Engagiert mit 14

Entwicklungen und Motive ehrenamtlichen Engagements

Insgesamt engagieren sich laut einer Studie und repräsentativen Trenderhebung zu Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftlichem Engagement „ Freiwilliges Engagement in Deutschland von 1999 bis 2004“ (4) , die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführt wurde, 36 Prozent der Bevölkerung freiwillig. Es zeigt sich dabei, dass die Gruppe der Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren (5) eine der ehrenamtlich aktivsten Gruppen der Bevölkerung ist.

Freiwilliges Engagement hat sich dabei in den letzten Jahren deutlich verändert. Ein Wandel der Motive für das Engagement hat stattgefunden. Nach wie vor ist es Jugendlichen wichtig, im Rahmen der Freizeit etwas Sinnvolles zu tun. Aus der Reihe klassischer Motive verlieren „Helfen“ und „Pflichtbewusstsein“ an Bedeutung. Neu hinzu kommen die Motivfelder „Gestaltungswille und Selbstentfaltung“ (6).

Heutige ehrenamtlich Engagierte wollen sich nicht konzeptlos einspannen lassen. Die eigenen Bedürfnisse nach Spaß, Selbstentfaltung und Kontakt mit anderen dürfen nicht im Widerspruch zum erwarteten Engagement stehen. „Aus dem ‚ich für dich’ des traditionellen Ehrenamtes ist ein ‚ich für dich und mich’ geworden.“ (7) Jugendliche, die sich engagieren wollen, sind stärker an Aufgaben interessiert, die ihnen Möglichkeiten zum Kompetenzgewinn und zur Selbstentfaltung und -verwirklichung bieten. Es besteht ein stärkeres Bedürfnis nach Partizipation, Gestaltungs- und Einflussmöglichkeiten.

Aber auch der soziale Aspekt ist nach wie vor von großer Bedeutung. Jugendliche möchten neue Menschen kennen lernen, gemeinsame Interessen teilen und soziale Interaktion erleben. Sie wollen schlicht auch Spaß an ihrer Tätigkeit haben, denn schließlich investieren sie ihre Freizeit in das Engagement. Sie wollen ihren Einsatz zeitlich begrenzen und Aufgaben nach eigenen Interessen auswählen können. Eigene Handlungs- und Gestaltungsspielräume sind Jugendlichen dabei wichtig, und sie arbeiten am liebsten für und mit anderen Jugendlichen. Jugendliche wollen in ihrem Engagement unterstützt werden, aber ohne autoritäre Vorgaben. Junge Menschen brauchen, wie jeder andere, Anerkennung und vielleicht sogar noch etwas mehr das Gefühl, ernst genommen und respektiert zu werden. „Bedeutsam“ für andere zu sein, ist ein wichtiger Erlebnisfaktor. Sie wollen dabei etwas „erleben“, als Mitglieder und als Engagierte.

Jugendliche wollen hinzulernen, am liebsten Fähigkeiten, die sie später einmal beruflich nutzen können, z. B. vor einer Gruppe selbstbewusst aufzutreten. (8) Qualifizierte Zeugnisse sind ihnen zunehmend wichtig, um sie später auch beruflich nutzen zu können. Von Seiten der Hauptamtlichen ist partnerschaftliche Anleitung und Beratung gefragt, keine Besserwisserei. Die Erfahrung zeigt immer wieder: Jugendliche sind vor allem dann bereit, sich zu engagieren, wenn sie persönlich angesprochen werden. Insbesondere fällt in den letzten Jahren auf, dass immer mehr Jugendliche, die nach einem sinnvollen, erfüllten Leben suchen, spirituelle Angebote schätzen. Jugendliche machen in ihrem Alltag immer wieder die Erfahrung, nicht gebraucht zu werden, zu stören oder ausschließlich über Lernleistung definiert zu werden. Die christliche Botschaft von einem Gott, der wertschätzt und annimmt, dessen Ebenbild wir sind, ermöglicht Gegenerfahrungen, die für Jugendliche und ihre Selbstwerdung sehr bedeutsam sein können.

Darüber hinaus ist eine Konsequenz aus den Ergebnissen der Studie zum freiwilligen Engagement von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Sie lautet: Wer früher in das Engagement einsteigt, bleibt länger dabei. (9) Wenn Kirche will, dass Menschen sich langfristig engagieren, muss sie Kinder und Jugendliche früh erreichen. Die Angebote der Kinder- und Jugendarbeit sind zu pflegen, um der nachfolgenden Generation einen Einstieg in das freiwillige Engagement zu ermöglichen. Laut der Studie steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie dann auch im Erwachsenenalter freiwillig engagiert bleiben.

Zukünftige Herausforderungen zur Gestaltung und Förderung von ehrenamtlichem Engagement liegen darin:

- genau zu definieren, was Kirche Jugendlichen in dieser Lebensphase anbietet

- Angebote zu schaffen, die sich verstärkt an Selbstentfaltungswerten und dem Gestaltungswillen von Jugendlichen orientieren

- von den Ressourcen der Jugendlichen auszugehen - Kompetenzentwicklung zu ermöglichen und Räume für Erfolgserlebnisse zu schaffen

- Handlungs- und Gestaltungsspielräume bereitzustellen - Überforderung durch realistische Einschätzung der zeitlichen Möglichkeiten oder durch Verteilung von Aufgaben auf mehrere Schultern zu vermeiden

- Beziehungen und Kontakte zu ermöglichen - Gelegenheitsstrukturen zur Entwicklung eines Zusammengehörigkeitsgefühls zu schaffen

- Begegnungsräume gemeinschaftlicher Spiritualität anzubieten, in denen christliche Gemeinschaft gelebt und Menschen im Sinne der christlichen Botschaft wertgeschätzt und vorbehaltlos angenommen werden

- gute strukturelle, organisatorische Voraussetzungen und Rahmenbedingungen durch eine professionelle Freiwilligenkoordination zu schaffen

- Nachweise und qualifizierte anerkannte Bescheinigungen für ehrenamtliches Engagement zu erstellen

- Transparenz und Verbindlichkeiten durch Kontrakte herzustellen

- Anerkennung für individuelle Leistung durch die Entwicklung einer Begleitungs- und Anerkennungskultur zu fördern

[4] Die folgenden Aussagen beziehen sich auf die Studie: Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999–2004, hg. vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen, Jugend. München 2005, S. 15. „Die Engagementquote, der Anteil von freiwillig Engagierten an der Bevölkerung ab 14 Jahren, ist zwischen 1999 und 2004 um 2 Prozentpunkte von 34 Prozent auf 36 Prozent gestiegen.“

[5] AaO., S.15. „Junge Menschen zwischen 14 und 24 Jahren sind eine der aktivsten Gruppen der Bevölkerung mit einer stabilien Engagementquote. Das Engagementpotenzial ist in dieser Altersgruppe ganz besonders groß.“ Im Rahmen des Gesamtergebnisses 36 Prozent engagieren sich laut Umfrageergebnis in der Alterstufe 14 bis 19jährige 37 Prozent.

[6] AaO., S. 96-110, zu Motiven der freiwillig Engagierten und Erwartungen an die freiwillige Tätigkeit

[7] taz (die tageszeitung), zitiert aus dem Kommentar von Backhaus-Maul/ Brandhorst, 29.12.1997

[8] Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999 - 2004, vgl. S. 248. Die Untersuchung zeigt hier deutlich, dass Jugendliche nach eigener Einschätzung durch ihr Engagement profitieren. Sie sehen ihren persönlichen Lerngewinn im Erwerb von Fähigkeiten, Fachwissen und in der Bewältigung komplexer Situationen. „Junge Leute berichten häufig über Lernchancen, welche die freiwillige Tätigkeit ‚in sehr hohem’ bzw. in ‚hohem Maße’ bietet. Diese Lernprozesse vollziehen sich im engen Kontakt mit Gleichaltigen.“ S. 20